Biographie und History

  • barbar pfaffenDie Pionierin: Barbara Pfaffen/Nach den Sternen greifen! «Es war ein Sternbild, bestehend aus verschiedenen prägenden Menschen und Ereignissen, das mir in meinem Leben den Weg wies und mir den Mut gab, später in der Kultursäule Kindererziehung wie eine Pionierin zu denken und zu handeln. Geboren wurde ich als Barbara Kaufmann in Chur, in der Schweiz. Aufgewachsen bin ich auch in Frankfurt am Main in Hofheim, dann Wolfurt bei Bregenz in Österreich, in Paris und dann in Rüschlikon bei Zürich. Dann die Ecole d'humanité im Berner Oberland auf dem Hasliberg, und in Kent Connecticut bei New York, dann ein Jahr in Rom. Dann zurück nach Zürich

  • Mein Vater stabilisierte neben seiner beruflichen Tätigkeit als Lic.Oec. ETH ZH  grosse Firmen in Europa , richtete sie neu aus und baute sie wieder neu auf, wenn er sie nicht sogar vor dem Untergang rettete. Zusammen mit seinem guten Bekannten Nicolas Hayek Senior, der als Headhunter für die grossen Konzerne passende  Führungspersönlichkeiten bestmöglich platzierte, wurden die Führungsjobs aufgeteilt und vergeben. Darum wurde mein Vater in diversen Ländern mit verantwortungsvollen Aufgaben betraut. So zogen wir in meiner Kindheit oft um. Ich liebte es bereits als Kind, von seinem Unternehmen zu hören und davon, welche Innovationen sie auf den Markt brachten. Ständig löcherte ich ihn mit meinen Fragen und wollte immer das Wie, Wo und Was erfahren. Zudem war mein Vater Kommissär der Europäischen Gemeinschaft. In Paris waren wir deshalb sogar drei Mal zum Sommerfest im Elysée beim Präsidenten eingeladen. Die Sommerparty im Garten war einmalig; ich liebte es, im Sommerkleid die kühlen Treppen des Elysée-Palastes neben den vielen Wachposten hoch und runter zu hüpfen.

  • Meine Mutter war die perfekte Hausfrau und Gastgeberin. Ihre Einladungen glichen einer Einladung in ein Drei-Sterne-Gourmet-Restaurant. Sie war auf allen Ebenen tüchtig und begabt – auch als Schneiderin und Designerin. So konnte sie gut schnell übers Wochenende einen mit weisser Seide gefütterten Yves Saint Laurent-Mantel in edlem indischen Kaschmir kopieren. Und sie ist noch heute ein fantastische Köchin: Ihre Mousse au Chocolat ist in Zürich berühmt und in aller Munde.

  • Item, wegen der vielen Reisen lebten wir auch zu Beginn meiner Kindheit in Frankfurt. Hier fand das erste Gestirn in mein Sternbild. Als Kind besuchte ich die Montessori-Schule in Hofheim bei Frankfurt; es war Maria Montessoris Assistentin, die diese Schule in den 50er-Jahren gegründet hatte. Geführt wurde die Schule von den frommen katholischen Novizinnen Schwester Elisabeth und Schwester Edburga. Sie hinterliessen in mir mit ihrer Hingabekraft, Herzensgüte und gelebter Tugend sowie mit ihrer Disziplin, mit der sie sich um die Kinder kümmerten, einen solch bleibenden Eindruck, dass ich mir schon damals sagte – ja sogar heimlich schwor: Sollte ich später je selbst mit Kindern arbeiten, würde ich es mit der gleichen Leidenschaft und Hingabe und aus dem gleichen vollen Herzen tun. Sie hatten auch das Vertrauen in mich als kleine Schülerin, dass ich die noch jüngeren Kinder in der Schule anleiten durfte, vor allem bei den «Spielen des täglichen Lebens», an denen ich selbst grossen Gefallen fand. Ebenfalls in dieser Schule arbeitete der junge eifrige Praktikant Guntherle, der mir den Systemischen Ansatz einmeisselte. «Immer schön in der Mitte bleiben», lautete sein tägliches Motto. Als Erwachsene machte ich diverse Ausbildungen bei "Guntherle", der eigentlich Gunther Schmidt heisst und der Leiter des berühmten Milton Erickson Instituts in Heidelberg ist. "Was möchtest du machen, wenn du einmal gross bist?", fragte mich damals Guntherle. Bereits als Fünfjährige stellte ich mir vor, eines Tages mit Kindern in einer schönen Villa zu arbeiten. Ich sah in meinem inneren Auge eine Villa mit goldenem Holzboden, roten Samtstühlen und roten, samtenen Vorhängen. So staunte ich nicht schlecht über das Leben, als mir viele Jahre später, als Erwachsene im Jahre 1991, tatsächlich eine solche Villa angeboten wurde, um die erste Kinder-Kultur-Villa zu gründen, die den Startschuss für eine neue Ära geben würde. Doch davon später mehr.

  • Dem zweiten Gestirn begegnete ich in Paris in der Gestalt des Pädagogen und Forschers Arno Stern. Er hatte sich einen Namen gemacht mit «Der Malort»: Kinder, Jugendliche sowie Erwachsene konnten hier malend ihr Innerstes ausleben und sich selbst erkennen und erleben. In Paris führte er zudem die «Académie du Jeudi», die ich – wir lebten mittlerweile in Paris – an den schulfreien Donnerstagnachmittagen jeweils nach dem Unterricht an der Lycée de la Tour besuchen durfte. Bei Arno Stern erfuhr ich am eigenen Leib, wie energetisierend der künstlerische Ausdruck auf die eigene Entwicklung sein kann. Das Handeln dieses visionären Pädagogen sollte mir später als wichtiges Vorbild dienen. Arno und ich sind ein Leben lang befreundet geblieben.
  • Die Kontakte meines Vaters als Kommissär in die hohe Politik führten zur meiner dritten bleibenden Begegnung. Unsere Familie war dadurch mit dem damaligen deutschen Kanzler Helmut Schmidt und dessen Familie befreundet. Eines Tages, bei einem seiner Anlässe, ja schrie er väterlich und mit schwingenden Fäusten voller Tatkraft zu mir: «Versprich mir, dass du mit mir an der Innovation arbeitest, für die Menschen arbeitest und für ihre Bedürfnisse. Dafür müssen wir kämpfen, dafür müssen wir uns einsetzen. Er hörte nicht eher auf, ich musste es ihm schwören, auch durch's Mikrofon im Beisein aller Gäste im Saal schwören, dass ich das eines Tages tun würde. Ich sollte diese Worte nie mehr vergessen. In diesem wichtigen Moment meines Lebens fühlte ich mich nicht mehr wie ein Kind, sondern spürte in mir eine aufgeweckte, erwachsende Kraft. Ich hatte einen wichtigen Auftrag erhalten und ein Versprechen einzuhalten.

    Zurück in der Schweiz besuchte ich das humanistische Internat Ecole d’Humanité. Hier wirkten die beiden Schulleiter Paul und Edith Geheeb, die mich das humanistische Gut lehrten. Ich erkannte in ihrer Art, sich mit Kindern zu solidarisieren, sie zu integrieren und mit Empathie statt Autorität zu führen, Parallelen zu Arno Stern. Bei Armin Lüthi, dem damaligen Schulleiter lernte ich fundiert die Nummerologie. Die ganze Welt und alle Geburtsdaten wurden anschliessend, von mir berrechnet. Sie waren zwei weitere leuchtende Kräfte in meinem Sternbild.

  • Damit war dieses aber noch nicht ganz voll: Ebenfalls dazu stiess der grosse Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt. Ich war als Jugendliche regelmässig zu Besuch bei meiner Tante, der Künstlerin Anna Keel und ihrem Mann Daniel Keel, dem Gründer des Diogenes Verlags. Auch Dürrenmatt war hin und wieder Gast und ich durfte viele Male Zeit mit ihm verbringen, als er schon da war, meine Tante noch in der Küche das Poulet im Römertopf vorbereitete und mein Onkel Daniel ebenfalls erst später aus dem Verlag nach Hause kam. Dürrenmatt regte mich in Gesprächen jeweils zum engagierten Mitdenken an, hörte mir aber auch immer gespannt zu. Er lachte oft und laut und ich mochte seinen schnellen, schelmischen Esprit. Sein Interesse an meinem kreativen Geist war für mich ein grosses Kompliment. Eines Tages sagte er zu mir, und ich bin sicher, er meinte es ernst: "Aus dir wird eines Tages eine grosse Denkerin, du bist ein Genie!" Da wusste ich: Ich bin reif für meinen Weg!

    Dieser führte zunächst aber auf Abwege: Als knapp 20-Jährige ging ich als Au Pair nach Rom. Ich war aber unglücklich bei der Familie, da ich kein eigenes Zimmer hatte, auf dem Sofa schlafen musste und erst um 22.30 Uhr Nachtruhe hatte. Über Anna und Daniel Keel kam ich aber wieder in Kontakt mit dem Regisseur Frederico Fellini und Giulietta sowie seiner Entourage. Fast täglich ging ich aufs Filmset in der Cinecittà, sah Fellini fasziniert zu, wie er Regie führte und ich genoss die langen Mittagessen mit bekannten Schauspielern, die ich bereits aus dem Kino kannte. An den Weekends fuhren wir nach Fregene ins Ferienhaus von Giulietta und Federico Fellini. Dort hielten wir eines Tages eine Séance mit der hellsichtigen Giulietta, die mich staunen liess.

    Fellini, fasziniert von der sensitiven, jungen Frau, die ich war, versprach mir eine blühende Karriere im Filmgeschäft. Sie hatten beide ein Potential in mir erkannt. Er sagte zu mir, wenn ich mich ihm anschloss und die Hauptrolle in seinem nächsten Film annahm, würden mir auch die Tore nach Hollywood offenstehen. Der Vertrag war bereits ausgearbeitet, mit seinen Freunden in Hollywood hatte er bereits lange Telefonate geführt. Welch verführerisches Angebot! Doch sollte ich mich in fremde Hände begeben? Wäre ich nicht zu sehr ausgeliefert? Es würde zwei Jahre Klausur bedeuten und wegen der Paparazzi dürfte ich nie alleine auch nur auf die Strasse gehen! Ich erbat mir Bedenkzeit, denn ich wusste: Wenn ich darauf einging, dachte ich damals, würde ich meinen Traum, die Welt zu verändern, möglicherweise nicht verwirklichen können. Lehnte ich es hingegen ab, würde das Angebot niemals wiederkehren. In beiden Fällen gab es kein Zurück. Ich musste dringend herausfinden, was meine Bestimmung im Leben war! Was sagten meine Intuition, mein Herz, mein Verstand? Mich quälten schlaflose Nächte, doch nach einigem Hin und Her entschied ich mich gegen das Angebot. Fellini war ausser sich vor Wut und Giulietta zutiefst enttäuscht. Die Schauspieler am Set verstanden mich überhaupt nicht, feindeten mich an und sagten: «Man sagt nicht Nein zu Fellini!»

    Zurück in der Schweiz stürzte ich in eine Sinnkrise. Ich war knapp über 20 Jahre alt und wusste nicht, welche Richtung ich nun einschlagen sollte; mein Sternbild schien hinter Wolken verschwunden. Probehalber nahm ich eine Stelle als Kinderkrankenschwester an. Dabei merkte ich bald, dass es in der Schweiz eigentlich keine sinnvollen Krippenangebote gab. Es existierten zwar Krippen, aber die meisten waren lediglich dazu da, die Kinder zu hüten. Aber wo blieben die kreativen Angebote für die Kinder, um sich zu entfalten und etwas zu lernen? Hinter dem Jelmoli entdeckte ich eines Tages aber einen Kinder-Hütedienst mit etwas, das einer Spiellandschaft glich. Ich sagte mir: Das kann ich anders oder sogar besser!

    Während dieser Zeit lerne ich auch seine Heiligkeit Dalai Lama kennen. Er wurde damals in der Schweiz noch nicht wie ein "Popstar" verehrt. Ich hatte den Wunsch für unser Land neue Ideen zu entwickeln und zu lancieren, darum unterrichtete er mich liebevoll und persönlich in einer intensiven Visualisations- und Meditationsmethode. Es waren seine eigenen Techniken zur Entwicklung des Diamantfahrzeuges und zu meiner Entwicklung und Erreichung des goldenen Bodhisattvakörpers. Nach sechs Monaten intensiver Übungen gingen mir alle Augen auf. Ich erreichte Meilensteine. Diese Erkenntnisse veränderten mein ganzes Wesen durch und durch. Ich erwachte in meinem lokalen und nicht lokalem Bewusstsein.

  • So entschied ich mich nach dem ersten Ausbildungsjahr als Krankenschwester am Kinderspital Zürich, eine Stelle in einer Kinderkrippe in Horgen anzunehmen und begann eine Lehre als Kleinkinderzieherin. Dabei konnte ich die Bastelgruppe leiten. Plötzlich entdeckte ich meine Leidenschaft, in diesem kreativen Umfeld war ich zuhause! Während der Lehre absolvierte ich zudem ein halbjähriges Praktikum mit Säuglingen im Kinderheim Sonnenblume. Ein Säugling, der weit hinter seiner Entwicklung zurückgeblieben war, hatte es mir besonders angetan. Wie einst die Schwestern der Montessori-Schule in Frankfurt, widmete ich meine ganze Aufmerksamkeit dem Kind. Ich sprach mit ihm wie mit einem ganzen Wesen, dem ganzen Menschen, nahm seine Bedürfnisse gründlich wahr und kümmerte mich um das kleine Wesen, als ob es mein Augapfel wäre. Und siehe da, in kürzester Zeit gedieh das Kind und machte Entwicklungssprünge, die alle überraschten. Ich erlebte, wie es möglich war, mit einfachen Mitteln Kinder zu heilen oder Angebote zur Selbstheilung anzubieten.

    Weitere Aus- und Fortbildungen folgten. Ich besuchte die Paracelsus-Schule in Zürich, nahm Kurse beim Chiropraktiker und Atemtherapeuten Heinz Kiem und lernte das Psychotron des visionären Pioniers Fritz Guggisberg kennen. Ich arbeitete (Volontariat) auch in der Ärzteorganisation Platz im Watz von Peter Frei in Zürich, mit dem Heiler Caramba. Ich besuchte an den Weekends Nene, Frau von Muralt, die die Präsidentin des Parapsychologischen Gesellschaft Schweiz war.

  • Ich war nun 25 Jahre alt, heiratete den Theaterregisseur Frederico Pfaffen und bekam unsere gemeinsame Tochter Anna Pfaffen, später unseren Sohn Tizian Pfaffen. Wir waren zu Beginn mausarm. Manchmal wurde uns sogar der Strom abgeschaltet, da wir die Rechnung nicht bezahlen konnten. In der Not hatte ich die Idee, in der Zürcher Altstadt, wo wir wohnten, eine Spielgruppe zu gründen und als Tagesmutter zu arbeiten. Eltern konnten bei uns ihre Kinder in Obhut geben und ich betreute sie mit zwei Mitarbeiterinnen. Das Angebot schlug ein wie der Blitz: In kürzester Zeit konnte ich weitere Mitarbeiter einstellen. Auf Reisen, die ich mir mit dem wenigen Geld trotzdem ab und zu leistete, besuchte ich zudem Kinderkrippen anderer Länder. Begegnungen in New York, Paris, London, Bombay, Jerusalem, Mexico und weiteren Orten inspirierten mich und ich erkannte, dass wir unbedingt mehr Platz benötigten. Ich wollte den Kindern Themenfelder und Projekte bieten und sie noch sinnvoller betreuen. Ein eigenes Haus musste her! Ich erinnerte mich aber auch daran, was mir mein Vater beigebracht hatte: Bevor du ein Geschäft eröffnest, erstelle ein Inventar. So begann ich zu recherchieren: Welche Angebote gab es bereits? Wie hoch waren die Tarife in der Schweiz? Und: Wo fand ich das geeignete Gebäude mit mehreren Räumen für Theater, Kunst und Spiel? Wenn ich dieses nur fände, würde ich mit ganzem Herzen meiner Vision folgen!

    Dank einer Mutter erfuhr ich von einer Jugendstilvilla an der Merkurstrasse im Zürcher Quartier Hottingen. Es war im Herbst 1991, als ich den Besitzer, Dr. Schlegel, ein Professor für Psychoanalyse, anrief. Ich solle vorbeikommen, es gäbe aber bereits über 50 Interessenten. Wie sehr schlug mein Herz, als ich auf das Haus zuging! Wieso ich denn die Villa wolle und ob meine Pläne zu einer echten Verbesserung für die Menschen führten, fragte er mich. Nun war der Moment gekommen, um meinem Sternbild zu folgen: Ich erzählte dem Professor von meinen Plänen, eine Kinderkrippe mit kreativem Angebot und Kulturfeldern zu gründen, und davon, welche Auswirkungen es auch neurologisch auf die Entwicklung der Kinder haben würde. Ich konnte präzise Antworten auf seine Fragen geben – und hatte (auch dank der Bürgschaft meiner Tante Anna Keel) den Mietvertrag in der Tasche! Im November 1991 war die Geburtsstunde der Kindervilla Merkurstrasse. Das Abenteuer konnte beginnen.

    Ich fand geeignete Betreuerinnen, drei Kindergruppen sollte die Villa beherbergen. Ich legte die Preise fest, die für damalige Verhältnisse sehr hoch waren, konnte sie aber mit dem innovativen Angebot für diese neue Ära, rechtfertigen. Denn die Kinder sollten auf spielerische Weise erste Schritte in dem machen, was sie später auch an einer Universität lernen würden: Mathematik, Sprache, Literatur, Künste, Theater. Indem sie in lebendige Materien eintauchten, mit Stiefeln im Matsch herumstapften, Pflanzen, Natur, Bauernhöfe und ihre Tiere aus nächster Nähe kennenlernten, Nägel in Holz schlugen, bohrten, sägten, schraubten, malten und auch mal ein Feuer machten, erweiterten sie ihr Sensorium, erlebten Prozesse und in ihren Hirnen bildeten sich wichtige Nervenstränge und Synapsen. Innerhalb eines geregelten Tagesrhythmus hatten die Kinder die freie Wahl und konnten, wenn ihnen danach war, auch einfach mal nur eine Blume betrachten. Als Montessori-Schülerin wusste ich: Das Kind ist der Motor seiner eigenen Entwicklung und in meiner Kindervilla bot ich die perfekt vorbereitete Umgebung, um den Motor zu ölen. Die Kinder mussten sich dabei ebenso in die Gruppe einfügen können, wie sie sich zurückziehen durften, auch um ihrem eigenen Flow zu folgen.

    Es ging hoch zu und her und 1994 eröffneten wir die zweite Krippe in der Zürcher Innenstadt an der Leuengasse. Der gute Ruf wuchs. Die damalige Stadträtin Monika Stocker und die damalige Präsidentin des Schweizerischen Krippenvereins, Ursula Grob, besuchten die Kinderkrippe Leuengasse, um zu schauen, wie wir dies machten; das Sozialdepartement hatte nun den Wunsch, eigene Kinderkrippen zu lancieren. Auch schauten Akteure der freien Uni Berlin in der gelben Kindervilla an der Merkurstrasse vorbei, da sie den Bundesauftrag hatten ein neues Konzept zu entwickeln für die Kinder von 0-6 Jahren. Sie wollten  von uns lernen, meine Themenfelder waren eine neue Sichtweise. Es waren die goldenen Jahre, alles lief rund. Ich hatte mein Ziel erreicht und etwas Innovatives geschaffen, dass zur einer Verbesserung führte, wie es einst Helmut Schmidt von mir gefordert hatte.

    Mit dem Erfolg kamen natürlich auch die Nachahmer. Mein durchdachtes und Vorzeige-Krippenmodell weckte das Bedürfnis von Nachahmern. Betreuerinnen, die ich hatte, verliessen unsere Krippe und gründeten ihre eigenen Krippen. Dieses Ausräumen fand insgesamt sicherlich alle 2,5 Jahre statt. Meist nahmen diese Mitarbeiter und Bezugspersonen der Kinder,  die Eltern und die Kinder gleich mit, was schmerzte, da die Mitarbeiter eine Bewilligung vom Sozialamt erhielten, ohne mein Wissen und obwohl diese Mitarbeiter noch in ungekündigter Festanstellung waren bei mir.  Da es mir aber nie nur ums Geld ging, hatte ich kein Interesse daran, selbst weitere Häuser in der ganzen Stadt zu gründen. Trotzdem erweiterten wir unser Angebot nur in den eigenen 4 Wänden wegen der regen Nachfrage. An der Merkurstrasse kamen ein Nebengebäude und ein Pavillon hinzu, am Zeltweg eröffneten wir eine Kinderkrippe mit Werkstatt. An fünf Orten konnten die Kinder schliesslich nach freier Lust und Laune ihren Neigungen und Interessen folgen. Ich erfreute mich des regen Besuchs der Kinder im Atelier oder in unserem Chemie-Labor, sowie der Werkstatt für biologische Diversität. Wir veranstalteten sogar eine Kinder-Kunstausstellung zum Thema biologische Diversität, im ganzen Cabaret Voltaire. Unser Kinderchor in der Weihnachtszeit in der Predigerkirche liess mein Herz schmelzen. Weil die Anzahl der Krippen in der Stadt aber rasant zunahm und auch die Stadt Zürich eigene Angebote aus dem Boden stampfte, wuchs der Ruf bei der Stadt nach Regulierungen. Davon waren auch wir betroffen und immer mehr wurde ich zur Büro-Managerin. Mit den Kindern arbeitete ich leider immer seltener, so riss langsam, nach und nach meine nährende Nabelschnur zu meinen geliebten Kinderkrippen. Nach dreissig Jahren selbständiger Arbeit mit den Kindern entschied ich mich deshalb, dass die Zeit gekommen sei, neue Wege zu suchen. Meine Pionierarbeit im Bereich der Kinderkrippen hatte ich geleistet und etwas ins Leben gerufen, das nun anderweitig prosperiert und lebt – rund 480 Krippen existieren mittlerweile in der Stadt Zürich. Da ich mich als Künstlerin und Heilerin und nicht als Managerin sehe, entschied ich mich, mich neuen Projekten zuzuwenden, nämlich der Beratung von Jugendlichen, Müttern und Eltern, der Analyse und Steuerung von Familiendynamiken, dem Coaching bei Konfliktsituationen. Sehr am Herzen liegt mir auch ein Projekt mit Kindern in Kairo, das am Entstehen ist. Natürlich will ich weiterhin die Pionierarbeit leisten, die mir so sehr liegt und mit der ich als junge Frau begonnen hatte. Eines ist dabei sicher: Das Sternbild wird mir weiterhin den Weg weisen.